Dienstag, 16. April 2013

Erlebniseinkauf

Neue Zahnseide musste her - also gings in die "Drogerie" meines Vertrauens. Sogar drei Packungsgrößen gabs zur Auswahl: 60m, 25m, 12m. Habe mich für die Mitte entschieden und wische den dicken Staub von der Packung. Die Läden haben in der Regel keine Türen oder Frontwände hier. Das sind einfach Verkaufsflächen, die zur Straße hin komplett offen sind. Trotzdem verfügt jeder noch so kleine Laden über einen Scanner an der Kasse. Und was sagt der Scanner zu meinen 25m Zahnseide? - Kein Preis. 
Also hat es erstmal jeder der fünf philippinischen Verkäufer (bei einer Ladengröße von 15qm) selbst probiert... "Überraschenderweise" keiner von ihnen erfolgreich. Längere Diskussion untereinander, schließlich wird mir die Packung zurück auf den Tresen gelegt, mitsamt einem ratlosen Blick. Pause.
Ich so: "Und???" Verkäufer so: "Kein Preis." Und ich wieder so: "Und???" - Der Verkäufer weist mich darauf hin, dass es ja noch die zwei anderen Packungsgrößen gibt - für die hätten sie Preise. Ich kann mir einen Lachkrampf fast nicht unterdrücken; jetzt verkaufen die mir das Teil im Ernst nicht, weil sie keinen Preis haben!? Bis die mittlere Packungsgröße dann in zehn Jahren weggeschmissen wird, weil sie keiner gekauft hat!?? 
Und weil jeder philippinische Verkäufer über einen großen Taschenrechner verfügt (mit dem ALLES und zwar IMMER gerechnet wird - ich glaube sogar, wenn man passend bezahlt; nur um wirklich sicher zu gehen, dass man auch wirklich nichts rausgeben muss...), habe ich ihr anhand der anderen beiden Packungspreise einen Preis ausgerechnet und vorgeschlagen. Sogar noch zu Gunsten des Ladens... Das wurde dann gefühlte 10 Minuten nachgerechnet. Aber verkaufen ging dann trotzdem noch nicht, weil der Preis ja nicht in der Kasse ist. Maaan, ich wollte doch nur KURZ Zahnseide kaufen!? Für EINEN Euro!??
Okay... Zeig mal hier da, eurer Warensystem, iss ja hier eh alles auf englisch.
-Ah, guck mal, Taste für "Neuen Artikel hinzufügen". Artikel nochmal scannen, Preis reinschreiben, ENTER! Fertig! Darf ich jetzt wohl bezahlen? - Ja! Ich durfte, und das Wechselgeld wurde vorsichtshalber nochmal mit dem Taschenrechner ausgerechnet...

Tina ist heute zum Tauchen auf einer kleiner Nachbarinsel. Ich kann der Versuchung widerstehen mich auch mal im Tauchen zu probieren und fahre heute stattdessen mit Kathrin und ihrer gesamten philippinischen Angestelltentruppe von Pension und Kitestation auf Staff-Trip zum Saisonabschluss und Reinfeieren ihres Geburtstages. Es geht irgendwo in den Dschungel auf Panay - mit Übernachtung. Ich habe noch keine Ahnung, was auf mich zukommt, stelle mich aber erstmal auf das Schlimmste ein: Reis mit Fisch.

Nur noch vier Tage auf Boracay - ahhh! Mir läuft die Zeit davon!! ;-)

Samstag, 13. April 2013

One week to go!

In zwei Wochen um diese Zeit, wache ich den ersten Tag wieder in Deutschland auf. Ich habe die erste Nacht seit einem guten Jahr mal wieder auf einer guten Matratze geschlafen oder vielmehr auf einer Matratze, die sich überhaupt Matratze bezeichnen darf. Ob ich wohl die Nacht gefroren habe? Unter meiner RIESEN Decke! Unter einer richtigen Decke!! Hier auf Boracay braucht man nicht mal ein Laken zum Zudecken.
Ich werde voraussichtlich vor meinen Eltern wach sein und traditionsgemäß erstmal eine Runde durch Dützen joggen, um dann auf dem Rückweg beim Bäcker Brötchen zu kaufen! So richtige Brötchen!! Yeha!

Und dann wieder auf der RECHTEN Straßenseite fahren!! Auf Boracay fährt man zum Glück auch rechts, sodass ich mich schon mal wieder langsam umstellen konnte, auch wenn ich natürlich nicht selbst gefahren bin.

Und wieder lange Klamotten tragen! Sich wieder überlegen müssen, wie kalt es wohl heute wird. Was anderes an den Füßen tragen als FlipFlops!! - Waaa, wieviele Entscheidungen man da gleich morgens schon wieder treffen muss!

Start heute bleibt mir also noch genau eine Woche auf Boracay. Die Insel ist mir doch richtig ans Herz gewachsen. Man kennt sich und die Leute am Kitestrand sind fast sowas wie eine große Familie.
Ich freue mich riesig, dass ich hier tatsächlich zwei Monate meines Lebens verbracht habe. Es muss so in der dritten Woche Australien gewesen sein, dass mir die Idee kam, hier auf dem Rückweg noch vorbeizuschauen. Und ich habe es tatsächlich gemacht. So eine Zeit auf einer Insel zu wohnen - das kann man mal machen. Vor allem wenn dort konstant warme Temperaturen herrschen.

Laut Vorhersage wird heute wahrscheinlich den letzten Tag für die kommende Woche Wind sein. So eine kleine Pause vom Kiten kommt eigentlich ganz gelegen. Mittlerweile habe ich mir einige Schürfwunden von meinem eigenen Material zugezogen, sodass ich schier mit Freunde entgegensehe, bald wir im Neophrenanzug aufs Wasser zu müssen. :-)

Es beruhigt die aktuelle Temperaturentwicklung in Deutschland zu verfolgen, in zwei Wochen sind dann hoffentlich keine unangebrachten Ausreißer mehr zu verzeichnen. Bin wirklich gespannt, wie ich den Klimaumstellung verkrafte. Hehe...


Sonntag, 7. April 2013

Philippinischer Dschungel

30,2 Grad. Der Wetterbericht schreibt dazu schon ganz richtig: Feels like 38,5! Bei einer Luftfeuchtigkeit von 82% sitzt man hier derzeit schon morgens um 7:30 und fließt geradezu davon. Im 5-Sekundentakt wischt man sich die Schweissschicht von Geischt und Armen - bringt gar nichts, nach 5-Sekunden siehst Du wieder genauso aus. Dieses Wochenende hat sich der Wind hier offensichtlich frei genommen; dazu hat er einmal komplett gedreht. Das kleine Lüftchen weht diese Tage am White Beach, dem touristischen Strand von Boracay. Dafür sind alle Boote, die sonst dort vor Land liegen, auf unsere Seite, zum Kitestrand, gekommen. Das Wasser am Kitestrand ist kaum wiederzuerkennen. Keine einzige Bewegung, es steht einfach nur - so wie sonst auf der anderen Seite.

Die windfreien Tage haben wir daher mal was ganz verrücktes getan!! - Wir haben die Insel verlassen!! Freitag ging es mit der Fähre aufs Festland. War mal ganz angenehm die Fährfahrt zu genießen, ohne diverses Gepäck dabei. Hier mal ein kleiner Einblick auf welche "Fähre", man sonst sein Gepäck schleppen darf:




Mittagsessen wollten wir an dem 10km entfernten Union Beach zu uns nehmen, wo man, insofern Wind ist, auch kiten kann. Allerdings hat sich das als totaler Reinfall rausgestellt. Uns war zwar bewusst, dass kein Wind ist, wir wollten uns den Strand auch nur mal ansehen. Allerdings waren wir da wohl die einzigen; am Strand war keine Menschenseele. Niemand. Der Strand selbst, war auch nicht so einladend, dass man dort nur zum Baden bleiben wollte... Also ging es direkt wieder zurück. Immerhin kostet die Fährfahrt, wenn man von Boracay aus nur einen Tagestrip macht, nur 50 Cent, sodass der kleine Ausflug nicht allzu sehr ins Budget gefallen ist.

Am nächsten Tag, also gestern, gings dann wieder mit der Fähre aufs Festland. Stella, eine philippinsche Angestellte aus unserem Frühstücksladen ist mit uns zu den zwei Stunden entfernten Wasserfällen gefahren. Einen Van mit Fahrer für den ganzen Tag zu mieten kostet hier nur 70 Euro. Mit von der Partie waren Dave und Estefania, die eine Kiteschule in Brasilien betreiben. (Die Kontakte, die man auf Reisen knüpft sind doch wirklich goldwert...)

Mittagessen gab es bei Stellas Bekannten. Typisch philippinisch Fisch mit Reis, dazu Selleriesalat. Allein der Anblick löst bei mir mittlerweile schon fast einen Kotzreiz aus. Wir haben uns alle aus Höflichkeit was rein gezwungen; stehen aber alle mit der philippinischen Küche echt auf Kriegsfuß. Boracay bietet da zum Glück genug Alternativen, für den verwöhnten Ausländergeschmack!

Danach ging es weiter in die Berge. Fast eine Stunde sind wir mit dem Van eine unbefestigte Bergstraße hochgefahren, bei der man sich wohl selbst in einem Jeep noch unwohl fühlen würde. Als es mit dem Van nicht mehr weiter ging, haben wir uns zu Fuß weiter auf den Weg gemacht. Natürlich in philippinischer Tradition mit FlipFlops anstatt Wanderschuhen und mit Regenschirm als Sonnenschutz.

Und so stiefelten wir durch die Reisplantagen:


Über vertrauenswürdige Bambusbrücken:



Vorbei an "Wasserbüffeln":




Und überall rechts und links von uns Ananasbüsche, Kokosplamen und Bananenbäume. Quasi das "Alte Land" der Philippinnen:






Am Wasserfall wurde dann ausgiebig für Abkühlung gesorgt:




Auch wenn die Wasserfälle natürlich nicht atemberaubend sind, der Weg ist das Ziel und der Tag war wirklich schön. Und letztendlich war es auch mal ganz nett etwas rauszukommen.
Ab morgen ist dann aber wieder Wind! Juhu! - So viel Zeit bleibt auch gar nicht mehr. Am kommenden Donnerstag werden Götz und Julia wieder nach Australien abreisen. Tina und ich bleiben dann noch eine weitere Woche; bis es für mich am 20. weiter nach Singapur geht und Tina ihre Reise in Vietnam weiterführen wird.

Alles in allem sind es nun noch weniger als drei Wochen, bis ich wieder in good old Germany bin!!! Ich freue mich riesig! Weniger wegen der Temperaturen, aber einfach mal wieder ein paar andere Klamotten tragen!! Die vier T-Shirts, auf die sich mein Reisegepäck mittlerweile reduziert, nerven mich schon beim Anblick. Leider gibt es hier auf Boracay keine tollen Klamotten zu kaufen. Eigentlich nur Ramsch, für den selbst die günstigen Preise noch zu teuer sind. Ich hoffe ja, dass ich in Singapur schon mal ein wenig shoppen kann, ansonsten bin ich schon gespannt, was die Mode in Deutschland zu bieten hat.

Vor allem bin ich aber gespannt, wie sich die Rückkehr anfühlt. Hier prophezeit man mir ja, dass ich spätestens nach 3 Monaten wieder auf Reisen gehen werde. - Davon bin ich selbst überhaupt nicht überzeugt! Im Gegenteil, ich stelle fest, dass meine Reiselust sich erstmal auf Minden-Hamburg-Nordsee-Ostsee begrenzt. Der Peru-Reiseführer, den ich vor Abflug in Deutschland schon mal gleich mitbestellt hatte, weil ich ja jetzt gut Zeit hätte, Peru, nach einigen Wochen Aufenthalt in Deutschland, auch noch mal "schnell" zu machen, hat für mich komplett an Attraktivität verloren.

Ich erwarte für die langfristige Landung in Deutschland auch keinen allzu schmerzhaften Sturz. Zumal ich mir für das "Ankommen" ja eh genug Zeit lasse und pünktlich zum Start der deutschen Kitesaision wiederkomme. :-)

Sonntag, 31. März 2013

Frohe Ostern

Mir tut alles weh. Von wegen Tag der Auferstehung heute. Ich bleibe, glaube ich, einfach liegen...

Gestern gab es Wind. Und zwar viel Wind. Richtig viel Wind. Mein kleinster Kite war eigentlich noch zu groß. Das hat mich trotzdem nicht abgehalten, den Wind komplett auszunutzen. Schon um 7Uhr war ich auf dem Wasser und habe erst aufgegeben, als es einfach nicht mehr ging - und so fühle ich mich heute auch. Komplett zerstört. - Ob da wohl nachher erstmal ne Stunde Massage für 7 Euro ansteht? :-) 

Wenn hier heute überhaupt jemand arbeitet. Die Philippinen sind sehr christlich (Kleiner Exkurs hierzu: Wikipedia sagt, dass 81% der philippinschen Bevölkerung Christen seien; außerdem ist zu lesen, dass derzeit die größte Marienstatue der Welt auf den Philippinen errichtet wird. Sie solle höher als die Freiheitsstatue in New York (96 Meter) und die Jesus-Statue in Rio de Janeiro (100 Meter) werden. - Wow!?...) und auch das Team in dem Cafe, in dem untergebracht bin, ist heute in Festtagskleidung. Außerdem spielen sie Musik, die ich glatt für Weihnachtsklänge halten würde.

Das erklärt dann auch, warum gestern bei ihnen Erholung angesagt war. - Als ich gestern Nachmittag vom Strand kam, stand meine Zimmertür offen und das ganze Zeug zum Putzen stand vor der Tür. Also bin ich wieder umgedreht und habe unten im Cafe gewartet. Nach einiger Zeit bin ich dann wieder hoch, musste aber feststellen, dass irgendwie noch alles genauso vor meiner Tür liegt, als ob sich gar nichts bewegt hätte. Als ich dann näher ans Zimmer gekommen bin, hab ich schon gesehen, dass mein Fernseher läuft. - Fand ich jetzt auch erstmal nicht verwunderlich. Bisschen Hintergrundmusik beim Putzen ist ja verständlich...
Und dann steck ich den Kopf durch meine offene Zimmertür - da sitzen die beiden Philippino-Damen auf meinem Bett und gucken fern. Ich lache, die lachen. Da sind sie aber ganz schnell vom Bett aufgesprungen, so schnell konnste gar nicht gucken. Habe dann gesagt, dass ich unten warte und bin wieder los. Nach 5 Minuten kamen sie dann und meinten, dass sie jetzt fertig seien. 
Ich fands auf jeden Fall sau lustig und überraschen tuts mich auch nicht. Das läuft hier alles etwas anders. In einem noch so kleinen Laden arbeitet mindestens drei oder vier Leute gleichzeitig. Da wird auch das Handy nicht aus der Hand genommen oder gar hochgeguckt, wenn Kunden den Laden betreten.
Diese aus unserer Sicht ineffiziente Art und Weise zu arbeiten hat hier den Vorteil, dass alle Arbeit haben.
Und das Leben hier besteht auch quasi aus nichts anderem. 12 oder 16 Stunden arbeiten ist ganz normal. Die Einheimischen haben mir erzählt, wer nicht arbeitet, der ist tod. Die Lebenserwartung liegt bei 60-70 Jahren. Und solange arbeitet man auch.

Apropros Arbeiten. Götz und Julia sind auch mal wieder zum Einsatz gekommen. Sind ja beide Ärzte und Götz ist auch Unfallchirurg. Am Strand hat ein Fotoshooting stattgefunden. Kiterin im Brautkleid. Und das arme russiche Model, ist beim in die Kamera gucken, voll auf eine Sandbnk gefahren. Rumps! Lag sie auf dem Boden und ist auch nicht mehr aufgestanden. Ellenbogengelenk ausgekugelt. Praktischerweise standen Götz und Julia direkt daneben und haben es gleich wieder reponiert. Was wohl nur ging, weil das Model fast nur Haut und Knochen war und kaum Muskeln im Weg... Aufs Röntgen musste sie dann bis zum nächsten Tag warten, die einzige Arztpraxis auf Boracay, die ein Röntgengerät ihr eigen nennt, hatte nämlich schon zu... Schmerzmittel gabs vom regionalen Arzt freundlicherweise trotzdem. Hier ist sie noch am fahren:



Und wir haben doch tatsächlich noch mehr gemacht!! Donnerstag gings ins Spiderhouse an den Diniwid Beach. Das Spiderhouse ist Bar und Unterkunft in einen Felsen gebaut. Totel verwinkelt und super chillige Atmosphäre:










Erst gabs Sonnenuntergang, dann Mondaufgang:







Ich wünsche Euch noch ein frohes Osterfest und morgen einen schönen freien Tag!!