Samstag, 10. November 2012

Gleicher Ort - gleiche Zeit

Morgens um 8 Uhr am Hundestrand in Fremantle (oder "Freo" wie man Fremantle hier nennt). Man kennt sich. Die Leute ziehen ihre Bahnen parallel zum Strand wie im Schwimmbad. An der Stranddusche wartet die graue Riesen-Dogge, die aussieht wie Scooby Doo, jeden Morgen geduldig als lebender Handtuchhalter bis Frauchen mit Duschen fertig ist...



Das Szenario ist einfach großartig. Mit seinem Hund jeden Tag zum Strand laufen können - viel erstrebenswerter als ein dickes Auto...
Dass heute Samstag ist, hat man gleich gemerkt, viel mehr los:


Die Windaussichten für die nächsten Tage sind bombastisch. Und dazu habe ich auch noch Sonntag frei, Montag frei, Dienstag frei, Mittwoch frei! Wie praktisch, wenn der Chef auch kitet und den Wind beim Erstellen des Schichtplans berücksichtigt...



Heute Abend kellnere ich auf einer Hochzeit, die im Beach Hotel gefeiert wird. Bin schon gespannt, wie so ne australische Strandhochzeit abläuft...

Mittwoch, 7. November 2012

Seepferchen


Ich bin in AUSTRALIEN und werde dafür BEZAHLT!! Wie gut ist das denn? Hier wird Miete und Lohn wöchentlich gezahlt und gestern gabs für meine zwei Schichten letzte Woche schon den ersten "Pay Slip". Zweimal arbeiten - $436! Dankeschön! Lebensmittelkosten werden schon durch mein Trinkgeld getragen; ab jetzt finanziert sich diese Reise selbst. FREUDE!

Gestern war ja der sog. Melbourne Cup; zum Lunch kamen alle schick und mit Hut. Da war es ja nicht anders zu erwarten, dass mir das erste Missgeschick passiert, wenn alle total aufgebrezelt sind... Das letzte Prosecco-Glas auf meinem Tablett ist erstmal schön umgekippt und der ganze Prosecco ist auf die Stühle von zwei Damen gelaufen. Zum Glück haben aber ihre Kleider nichts abgekommen, von daher waren sie ganz entspannt. Nach zwei Minuten war alles gerettet und keiner hats gemerkt....
15 Minuten später ist das zum Glück auch unserem Restaurant-Chef, Pierre, passiert. Nur mit dem Unterschied, dass bei mir das Glas heile und auf dem Tablett geblieben ist. Er hat sie gleich auf den Boden, in sämtliche Scherben, befördert. Ich stand in dem Moment hinter der Bar und konnte mir mein fettes Grinsen,l beim Beobachten aus weiter Entfernung, nicht verkneifen. Immer gut, wenn anderen das auch passiert. Hehe!

Und dann ist da noch die Sache mit den Tellern tragen. Dafür bin ich nicht gemacht und Pierre besteht darauf, weil es bald zu voll sein wird um zweimal zu gehen. Zwei Teller pro Hand - reicht das nicht? Muss man unbedingt sechs auf einmal tragen müssen? Das kann doch nur schief gehen. Vor allem, weil die ja nicht alle gleich geformt sind. Nein, heutzutage gibt es ja für jedes Gericht einen anderen Teller, der zwar stylisch aussieht, zum sicheren Transport jedoch völlig ungeeignet ist. Ich hab auf jeden Fall jetzt das Go, alle Gerichte auf den Boden zu befördern ohne das mir Ärger bevorsteht, dafür muss ich es jetzt jedes Mal üben. Na, das kann ja was werden...

14 Stunden habe ich gestern gearbeitet. Nach jeder Schicht spüre ich andere Muskeln.
Die Palmwedel vor meinem Fenster bewegen sich schon - Zeit den Wind zu checken!

Übrigens wurde Montag an dem Spot, zu dem ich eigentlich fahren wollte, ein "3 meter GW"-Hai gesichtet - mir kam ja die Autobatterie dazwischen. Sind aber wohl trotzdem alle weiter gekitet, weil ihn nur einer gesehen hat. Hat wohl niemanden so richtig interessiert - na dann...






Montag, 5. November 2012

Merke: LICHT AUS!

Was macht man, wenn man Samstag Abend zu seinem Auto kommt und feststellt, dass die Batterie leer ist, weil man das Licht angelassen hat? - Genau, Auto stehen lassen, das Problem auf morgen vertagen und zu Fuß zur örtlichen Brauerei latschen... Auf dem Weg schon mal die AGB des australischen ADAC checken: 24 Stunden muss man Mitglied sein, um die Leistungen ohne Extrakosten nutzen zu können. Am nächsten Morgen den Nachbarn um Hilfe gebeten, der hatte aber kein Starterkabel... Also schnell online als Mitglied eingetragen und exakt 24 Stunden und 25 Minuten später Hotline anrufen und Hilfe anfordern. 30 Minuten später war Stewart, der nette betagte "gelbe Engel", zur Stelle und 10 weitere Minuten später lief der Motor auch schon. Stewart hat dann auch gleich nochmal die ganzen Flüssigkeiten wie Öl, Bremsflüssigkeit und Kühlwasser gecheckt, die Halterung der Batterie ersetzt und mir einen Tip gegeben, wo ich günstig Öl kaufen kann. Hat sich also schon gelohnt. Habe auch gleich mehr Vertrauen in die Karre, jetzt wo mal ein Fachmann einen Blick unter die Haupe geworfen hat und für die nächste Panne bin ich schon mal Mitglied... Danach war dann erstmal Spritztour angesagt um die Batterie wieder aufzuladen. Stewart hatte mir geraten mindestens eine Stunde durch die Gegend zu juckeln. Also gings den Highway runter Richtung Süden, ein paar Kitespots auschecken. In Safety Bay/ Shoalwater, 30 km südlich von Fremantle ist eine relativ große Kiterszene. Die haben sich sogar nen Kicker (Box) ins Wasser gebaut. Von Shaolwater aus kann man auch rüber nach Pinguin Island kiten. Can' wait!

Habe mich heute auch schon mit ein paar anderen Mädels, die auch kiten, für einen Wochenendtrip in Lancelin eingebucht. Lancelin ist 110 km nödlich von Perth und wird Ende November gerockt! Sollte wider Erwarten kein Wind sein, steht Sandboarden auf einer der schneeweißen Dünen, für die Lancelin bekannt ist, auf dem Programm:



Morgen steht mir ein langer Tag auf der Arbeit bevor. Denn morgen ist "Melbourne Cup" - "The race that stops a nation". Es handelt sich schlicht um ein Pferderennen - dotiert mit 6 Mio. $. Restaurant und Cafés machen schon seit Wochen Werbung dafür, die Live-Übertragung in ihren Räumlichkeiten zu verfolgen und bieten dazu spezielle Menüs an. Und so auch im Cottesloe Beach Hotel. Arbeitsbeginn ist daher ausnahmsweise schon um 9 Uhr - open end.
An normalen Tagen starte ich entweder um 12 oder 17 Uhr, was ich einfach nur super finde. Ohne Wecker aufstehen. In Ruhe in den Tag starten, an den Strand joggen, entspanntes Frühstück, Kitesession, lecker Essen kochen und dann ganz entspannt zur Arbeit. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, dass die meisten Menschen sich früh morgens aus dem Bett quälen müssen? Um dann gestresst zur Arbeit zu hetzen und seine Freizeit in den DUNKLEN Abendstunden, müde vom Arbeitstag, zu nutzen? Anstatt bei Tageslicht den Tag für sich zu haben und dann nach der Arbeit direkt ins Bett zu fallen!? Vielleicht ändert sich meine Meinung in naher Zukunft wieder und zur Zeit ist es auch doch noch eine Umstellung nach getaner Arbeit direkt in Dornröschen-Schlaf zu fallen, aber irgendwie gefällt es mir so rum viel besser...

An dieser Stelle möchte ich noch dem coolsten Opa der Welt alles Gute zum Geburtstag wünschen! 83 Jahre jung und fit wie ein Turnschuh! Guck mal, ich bring Dich ins Internet:


Samstag, 3. November 2012

Zurück im Club der Arbeitnehmer

G'day meine Lieben,
ich grüße aus meiner neuen Wohnung, aus meinem EIGENEN Zimmer! Wow! Um ehrlich zu sein, muss ich mich aber erstmal an die neugewonnene Freiheit gewöhnen. Habe mich in dem Hostel sehr wohlgefühlt und meine 5 Zimmerkameraden fehlen mir schon. Auch wenn im Hostel wohnen seine Nachteile hat, ein liebgewordener Vorteil war auf jeden Fall, dass man super viele Leute kennenlernt und alle seine Bekannten unter einem Dach hat. Was echt viel Zeit erspart, die sonst für Verabredungen machen und Wege dort hin drauf geht... Man hat gleich alle auf einem Haufen und wenn man Gesellschaft sucht, dann geht man einfach nur die Treppe runter...
Wie auch immer - die Umstellung wird sicher nicht lang dauern.
Und so sieht mein neues Zuhause-auf-Zeit aus:



Meine Mitbewohner sind Shab, eine 23-jährige Medizinstudentin aus/ von Mauritius (immer gut schon mal Kontakte nach Mauritius zu haben, da kann man nämlich auch gut kiten...) und Nico. Nico müsste Ende 20 sein, kommt aus Italien und arbeitet "irgendwas mit IT". Beide sind schon seit ein paar Jahren in Australien. Unser erster WG-Abend sah so aus, dass ich um kurz nach 18Uhr ins Bett bin und dort auch bis zum nächsten Morgen geblieben bin. - Den Abend vorher war Abschlussparty im Hostel angesagt...

Meine erste Kitesession habe ich bereits hinter mir. An dem Tag, als Wirbelsturm Sandy gewütet hat. Und irgendwie waren hier wohl kleine Ableger unterwegs. Ich war an einem Spot, wo sonst keine Wellen sind, nur komischerweise an diesem Tag. Dazu frontaler Wind gegen den Strand. Ich habs nicht gepackt gegen Wellen und Strömung rauszukommen... 


Die Saison hat aber ja gerade auch erst angefangen! UND: das Wasser ist WARM. Ich war zwar die einzige, die nicht in Wetsuite unterwegs war, aber das Wasser hatte quasi Badewassertemperaturen. Richtig gut!

Praktischerweise kitet mein neuer Chef auch. Hatte gestern meine erste Schicht im Bistro des "Cottesloe Beach Hotel". Oder sollte ich eher Schicht"marathon" sagen!? Meine erste Schicht ging nämlich gleich mal 12 Stunden. Hatte ganz vergessen, wie anstrengend kellnern doch ist. Selbst heute morgen fühle ich mich noch ein bisschen wie über(ge)fahren, meine Füße wollten nicht mal die morgenliche Jogging-Runde zum Hundestrand antreten... Spass gemacht hat es auf jeden Fall. Das Team ist klasse und für nächste Woche habe ich auch schon diverse Schichten. Derzeit bin ich im Bistro eingesetzt, was etwas schicker ist. So mit Stoffservietten, und ausgefallener Speisekarte. Ich hatte gestern den wohl besten australischen Cheesecake; die Gerichte sind einfach der Hammer... Insbesondere die ersten Stunden habe ich mich schon etwas schwer getan immer sofort zu verstehen, welche Speisen die Leute ordern und erst Recht welchen von den 200 Weinsorten. Aber die Mehrzahl der Kunden war sehr verständnisvoll und meist habe ich mir auf der Karte einfach zusätzlich zeigen lassen, was sie bestellen möchten. Und dann noch alles im Kopf behalten, aufschreiben der Bestellungen am Tisch ist nicht. Besonders toll, wenn die Leute dann Getränke, Vorspeise und Hauptmenü auf einmal bestellen und dazu noch mehr als 4 Leute am Tisch sitzen... Zum Beach Hotel gehört noch eine Bar und ein Biergarten, der gerade renoviert wird. Alles mit Blick aufs Meer. Wirklich eine nette Location.



Zuvor hatte ich bereits in einer anderen Beach Bar ausgeholfen. Allerdings waren alle total gestresst und ein wenig unorganisiert. Und auf Grund durchweg positiver Resonanz zu meinen Bewerbungen hatte ich daher die Qual der Wahl. Die Tage zurvor hatte ich damit verbracht von Job-Interview zu Job-Interview zu pendeln. Und habe mich am Ende total schlecht gefühlt, allen anderen abzusagen. Dabei hätte ich eigentlich ja wissen müssen, dass sie mich alle wollen. Ich würde mich ja auch sofort einstellen. Hehe... :-)

Heute, morgen und Montag habe ich frei. Genug Zeit also mich von meiner ersten Schicht zu erholen. Wind ist auch. Und für morgen habe ich schon ein paar aus dem Hostel zum Kochen in die neue Wohnung eingeladen. Freitag, Samstag und Sonntag ist nämlich Markt in Fremantle und Sonntag Nachmittag kann man günstig Gemüse und Obst kaufen. Eine große Kiste voller Gemüse und Obst gibts zum Ende für 5 $. Wir lassen uns daher überraschen, was es zu Kochen gilt...